Die Vollverpflegung – Der Versuch einer Fürsprache

Seit den Elternversammlungen in den letzten Monaten steht die Frage der Vollverpflegung in den Kindertagesstätten immer wieder zur Debatte. Die Eltern sind verunsichert, denn immer wieder bekommen sie zu hören, dass dadurch eine Erhöhung der Kitagebühren auf sie zukommen wird. Außerdem würden dann Kinder, die nur eine der Zwischenmahlzeiten zu sich nehmen, trotzdem den vollen Essenspreis bezahlen müssen. Und wie sollen Kinder versorgt werden, die gegen bestimmte Lebensmittel Allergien aufweisen? Fragen über Fragen und Ängste in den Köpfen der Eltern.

Um eines vorweg zu nehmen: Wir als Elterninitiative sprechen uns klar für die Vollverpflegung aus. Und wir möchten Ihnen allen ein paar Argumente liefern, die sie vielleicht zum Nach- und Umdenken bewegen können und ein bisschen die Angst vor dem Schreckgespenst Vollverpflegung nehmen.

Dazu erst einmal ein paar Informationen. Es ist richtig, dass die Kosten für die Vollverpflegung in die Kitakosten eingerechnet werden. So ist es vom Gesetzgeber gewollt. Das heißt aber auch, dass die Eltern somit nicht die vollen Kosten der Vollverpflegung zahlen müssen, denn die Kosten für die Kita werden sowohl von der Stadt (Eigenanteil) als auch von den Eltern (Gebühren) getragen. Dies bedeutet, dass auch die Stadt sich an diesen Kosten beteiligen muss. So ist es eben gewollt.

1. Mein Kind nimmt nur an Frühstück oder Vesper teil. Wieso muss ich dann beide Mahlzeiten bezahlen?

Es gibt nur noch zwei Betreuungszeiten in unseren Kitas: bis zu 6 Stunden und mehr als 6 Stunden. Nach diesen Betreuungszeiten richtet sich die Berechnung der Kitagebühren, sodass Eltern, deren Kinder weniger als 6 Stunden betreut werden weniger Gebühren zahlen als Eltern, deren Kinder mehr als 6 Stunden betreut werden. Die Vollverpflegung wird in die Kitagebühren umgelegt. Das heißt, wird ihr Kind kürzer betreut, wird auch nur ein Teil der Vollverpflegungskosten auf Sie umgelegt werden können. Somit bezahlen Sie nicht für beide Mahlzeiten.

2. Ich sehe nicht ein, wieso ich für andere Kinder die Vollverpflegung mit bezahlen soll!

Eine Staffelung zur Schaffung einer sozialverträglichen Gebührenstruktur wird ohnehin vorgenommen. Dies entspricht dem Solidarprinzip unserer Bundesrepublik. Es sollen möglichst gleiche Bedingungen für alle geschaffen werden, ob sie nun Geringverdiener oder Mehrverdiener sind. Es wird aber nicht so sein, dass die höchste Ebene alles trägt und der Rest sich daran laben kann. Selbst für Empfänger von Hilfen nach dem SGB II (Hartz IV) werden diese Kosten ja nicht auf alle anderen aufgeteilt, sondern vom Landkreis bezahlt. Wir alle bezahlen je nach Einkommen unterschiedliche Gebühren und das wird sich mit der Einführung der Vollverpflegung nicht ändern.Sie bezahlen somit nicht für alle anderen Kinder mit, sondern jeder bezahlt den Anteil, den er tragen kann, für sein eigenes Kind, denn die Gebühren werden immer nur auf ein Kind umgerechnet (Höchstgebühr für ein Kind).

3. Wieso überhaupt Vollverpflegung? Ich gebe meinem Kind gern selbst seine Verpflegung mit.

Das ist löblich und trifft mit Sicherheit auf den Großteil der Eltern zu, aber eben leider nicht auf alle. Viele Kinder bekommen abgepackte Sachen wie Milchschnitte, Schokolade oder andere ungesunde Dinge mit – oder auch gar nichts. Der Gesetzgeber verlangt jedoch vom Träger der Kindertagesstätten (in unserem Fall die Stadt), dass er für alle Kinder eine gesunde und ausgewogene Ernährung sicherstellt. Da er die Eltern nicht dazu zwingen kann, ihren Kindern ausgewogenes Essen mitzugeben, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich selbst darum zu kümmern. Wenn Sie jetzt denken: „Was geht mich das Elend anderer Leute an, ich gebe meinem Kind was Ordentliches mit.“, dann denken Sie mal an ihr eigenes Kind. Es sitzt und holt zum Frühstück ein liebevoll mit Käse belegtes Vollkornbrot und einen Joghurt heraus, während das Kind daneben eine Milchschnitte und Gummibärchen herausholt. Was würde Ihr Kind in diesem Fall wohl lieber essen? Die meisten Kinder sind eben doch kleine Naschkatzen und es kommt zu Unverständnis und Neid. Das Kind, welches die ungesunden Sachen dabei hat, lernt im Schlimmsten Fall nie gesundes Essen wert zuschätzen. Und das Kind, das immer gesundes Essen dabei hat, fragt sich, wieso es nicht auch sowas „Schönes“ in seiner Brottasche hat. Und unsere Erzieher haben dann das Problem zu beschwichtigen, zu vermitteln und die Wogen zu glätten. Sie müssen dem einen Kind klar machen, dass Milchschnitte und Gummibärchen eben keine schöne Mahlzeit ist, ohne aber dem anderen Kind das Gefühl zu geben, dass es etwas falsch gemacht hat und schlechter dasteht, als die anderen.Mit einer Vollverpflegung gäbe es keinen Neid, keine Beschwichtigungen. Alle Kinder hätten dieselben Voraussetzungen für ein gesundes Heranwachsen. Und die Erzieher hätten mehr Zeit, den Kindern Freude an gesunder Ernährung zu vermitteln. Es ist daher eben so gewollt gewesen, dass für alle Kinder dieselben Bedingungen vorherrschen und eine gleiche Entwicklung garantiert wird. Das entspricht auch den pädagogischen Konzepten. Der Träger hat dies bis jetzt deshalb nicht gemacht, da er auch hier sich an diesen Kosten beteiligen muss.

4. Wenn mein Kind alle Mahlzeiten in der Kita einnimmt, woher soll ich dann wissen, ob es dann auch genug gegessen hat?

Wir alle geben unsere Kinder vertrauensvoll in die Hände der Erzieher. Wir gehen davon aus, dass sie unsere Kinder fördern, zum Teil auch erziehen, ihnen soziale Kompetenzen vermitteln und sie gut versorgen. Wieso sollten wir ihnen dieses Vertrauen dann nicht auch beim Essen entgegenbringen? Es sollte selbstverständlich sein, den Erziehern zuzutrauen, dass sie uns darauf aufmerksam machen, wenn unsere Kinder auffällig wenig oder viel essen. Und wenn uns auffällt, dass unsere Kinder abends immer hungrig nach Hause kommen, haben sie mit Sicherheit auch ein offenes Ohr für unsere Sorgen. Bisher hat dieses Verhältnis Eltern – Erzieher auf dieser Basis gut funktioniert, wieso sollte es beim Thema Vollverpflegung plötzlich auseinanderbrechen?

5. Mein Kind hat eine schwere Allergie gegen bestimmte Lebensmittel/Stoffe/etc. Es kann somit nicht an einer Vollverpflegung teilnehmen.

Lactoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit, Fructoseallergie, Nussallergie, etc.Jeder kennt jemanden, der mit solchen Allergien oder Krankheiten zu kämpfen hat. Wenn es das eigene Kind betrifft, machen wir uns als Eltern natürlich zu Recht große Sorgen, wenn es um Vollverpflegung geht. Immerhin kann es im schlimmsten Fall zu schweren anaphylaktischen Schocks kommen, wenn der Nachwuchs dann doch das falsche isst.Eigentlich müsste der Caterer dafür sorgen, dass zumindest bei häufig auftretenden Unverträglichkeiten (Lactose, Gluten) Alternativen angeboten werden, in denen solche Stoffe nicht vorkommen. Jüngste Ereignisse zeigen jedoch, dass dies bei nicht allen Caterern (trotz vorheriger Zusicherung) abgesichert wird. Die Stadt hat jedoch auf der letzten Elternversammlung bereits erklärt, dass für Kinder, die nachweislich an solchen Allergien leiden, Ausnahmeregelungen getroffen werden können.

 

6. Aber was das alles kosten wird!

Immer wieder wird auf den Kosten herumgeritten. Eine Vollverpflegung für alle Kinder kostet. Selbstverständlich, das kann niemand negieren. Gehen wir von Kosten für ein Kind für Frühstück und Vesper von 15 bis 20 € pro Monat aus, die ein Caterer vielleicht verlangt. Wie bereits erwähnt können nicht die vollen Kosten dafür auf die Eltern umgelegt werden, auch der Träger hat einen Teil zu bezahlen. Wir möchten keine genauen Zahlen sagen, was bei den Eltern dann am Ende hängen bleibt, vielleicht 12 bis 18 € ungefähr. Aber machen Sie doch mal ein Experiment:Wenn Sie diesen Monat einkaufen gehen, legen Sie alles, was Sie für die Verpflegung Ihres Kindes in der Kita kaufen beiseite und zahlen Sie das extra. Eine Familie hat diesen Versuch bereits in den letzten Monaten gemacht und stellte fest, dass sie monatlich etwa 20 bis 25 € für die Verpflegung mit Frühstück und Vesper Ihres Kindes zahlt. Probieren Sie es einmal selbst und fragen Sie sich dann, ob Sie bei einer Vollverpflegung dann tatsächlich mehr zahlen müssen, als Sie es ohnehin schon tun.

 

Dies sind die Fragen und Anmerkungen, welche wir auf den Elternversammlungen und in persönlichen Gesprächen mit den Eltern aufgenommen haben. Wir möchten Sie nicht um jeden Preis überzeugen, jedoch zum Nachdenken anregen, auch die Vorteile der Vollverpflegung einmal in Betracht zu ziehen.

Treten Sie doch mit uns ins Gespräch, erklären Sie uns Ihre Sorgen und Ängste oder vielleicht auch weitere Vorteile, die Sie in der Vollverpflegung sehen.

Haben Sie weitere Fragen oder Anmerkungen, können Sie diese auch via Mail an uns schicken unter: fragen@eltern-gerechte-abrechnung.de

Wir freuen uns auf Ihre Kritik!

Hier kann in die Ermittlung der Höchstbeiträge verschiedener Kommunen Einblick genommen werden bzw. auch gesehen werden, welche Satzung dem Gesetz entspricht und ob Rückerstattungen möglich sind:

Amt Tauer             

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Gemeinde Oberkrämer

Stadt Oranienburg

Stadt Rathenow

Stadt Zehdenick

,Stadt Prenzlau (Zahlen 2012) Satzung 2013

Stadt Prenzlau (Zahlen 2013) Satzung 2014

Stadt Prenzlau (Zahlen 2016) Satzung 2017